Daniel Schenk vom Team Eitzinger Sports beim Ironman Kärnten 16.07.2010
Am 04. Juli war Daniel Schenk vom Team Eitzinger Sports beim Ironman Austria in Kärnten am Start und hat mit seiner bisher besten Ironman-Leistung in der AK 45-49 einen hervorragenden 18. Platz erreicht. Hier sein Erlebnisbericht.
Ironman Kärnten 2010 Erlebnisbericht von Daniel Schenk
Bereits sind gegen 10'000 Zuschauer am Ufer und auf den drei langen Badestegen des blaugrünen Wörthersees versammelt. Eine prickelnde und aufgeregte Anspannung liegt in der Luft und dies bereits vor 07.00 Uhr in der Früh an einem strahlenden Sonntag. Der Wetterbericht hat 34°C vorausgesagt, bestes Triathlonwetter also.
Nach einer letzten Verabschiedung von meiner Lebenspartnerin fühle ich mich plötzlich sehr alleine in meinem Neoprenanzug und unter den rund 2600 Athleten. Das ganze vergangene Trainingsjahr erscheint bruchstückhaft vor meinem inneren Auge und vermischt sich mit dem Respekt des bevorstehenden Tages. Ich spüre Tränen in meinen Augen und wenn ich in die Gesichter meiner Mitstreiter sehe, so glaube ich dort ähnliche Gefühle zu erkennen.
Pünktlich um 07.00 erfolgt der Wasserstart unter dem tobenden Applaus der Zuschauer. Die laute aufpeitschende Musik und das Feuerwerk auf dem See lassen mich alle Gedanken an die Vergangenheit abschütteln. Endlich geht es los, ich bin hier, ich bin gesund und ich spüre nur noch eine überwältigende Freude auf das Abenteuer Ironman in mir.
Die ersten zehn Minuten gilt es, den passenden Rhythmus und genügend Platz im Wasser zu finden. Weil ich auf der falschen Seite gestartet bin, muss ich an der ersten Wendeboye durch das ganze Feld auf die andere Seite gelangen, was zum Glück ohne nennenswerte Keilereien von statten geht. Weil ich lieber am Rande des Feldes schwimme und nicht mitten drin, stelle ich fest, dass ich einen weiten Slalomkurs schwimme und immer wieder korrigieren muss. Als spezielle Streckenführung folgen die letzen 900 Meter durch den mit vielen Zuschauern gesäumten Lindkanal zum Ausstieg. Mit einer eher schlechten Zeit von 01:04 erschrecke ich fast ein wenig, denn mit dem neuen Neo hatte ich eine Zeit unter einer Stunde erwartet.
Doch diese Gedanken sind schnell vorüber, denn jetzt erfordert die Hektik der Wechselzone meine volle Aufmerksamkeit. Die erste Etappe ist geschafft – positive Autosuggestion – nun folgt der Radparcour, den ich nur aus der Beschreibung kenne. Ich motiviere mich während einem IM jeweils mit verschieden Dingen die vor mir liegen und worauf ich mich freuen kann. Konkret freue ich mich in dieser Phase wieder aus dem Wasser zu sein und das Gesicht in den Fahrtwind halten zu können.
Die ersten 15 km, entlang des Wörthersees, sind flach und somit bestens zum Einrollen geeignet. Danach beginnt der erste Anstieg zum Faakersee und von dort zur ersten „Alp d’ Huez“ des Tages. Ein Spalier von Menschen verschafft einem trotz 30°C eine Gänsehaut und den nötigen Energieschub zur Bewältigung dieses Rhythmusbrechers. Eine lange Abfahrt führt uns zu den nächsten treppenförmigen Anstiegen zum höchsten Punkt des Tages, dem Rupertiberg. Auch dort bildet eine Menschenmasse ein Spalier mit „Alp d’ Huez“-Feeling. Toll! Danach geht’s mit einigen Gegenanstiegen nur noch runter bis zum Start/Zielgelände, wo sich der Wendepunkt bei 90km befindet.
So, nun kenne ich die Strecke und kann mich nochmals auf die beiden emotionalen Höhepunkte freuen. Während der ganzen Zeit habe ich auf meinen Puls geachtet und festgestellt, dass ich die anvisierte Zielgrösse gut erreicht habe. Auf der zweiten Runde bin ich fast noch besser auf Touren gekommen und ich fühle mich richtig wohl. Mit einer Radzeit von 04:58 komme ich zurück zur Wechselzone und freue mich riesig darüber. Zum ersten Mal konnte ich einen Schnitt von über 36km/h halten …… und ich fühle mich nicht ausgepowert.
Beim Wechsel zum Laufen verliere ich unnötige Minuten, weil ich den Abstellplatz für mein Rad nicht finde. Egal, immer noch beflügelt von der Radzeit geht’s los auf die Laufstrecke. Der letzte Teil des langen Tages hat begonnen, ich habe meine Partnerin gesehen und die Beine fühlen sich locker an. In meiner Brust fühle ich Schmetterlinge ob der ganzen Situation, der Stimmung und den Zuschauern.
Zweimal muss die Strecke nach Krumpendorf unten am Wörthersee und dann wieder hinauf ins Zentrum nach Klagenfurt um den Lindwurm (das Wahrzeichen von Klagenfurt) absolviert werden. Die ersten 20 km dienen wieder zum Kennenlernen der Strecke. Überall sind sehr viele Zuschauer. Das Thermometer ist in der Zwischenzeit wirklich über 30°C geklettert. Ich liebe dieses Wetter, was aber nicht bei allen der Fall ist. Bis zum Abend werden rund 20% der Athleten ausfallen. Die meisten davon auf der Marathonstrecke.
An der Streckenführung finde ich die Passage durch die Strassenkaffees der Klagenfurter Innenstatt als sehr speziell. Nirgends sind die Gegensätze an diesem Tag so gross, wie zwischen den Touristen, die bei einem schmackhaften Essen dem Treiben zuschauen und den gezeichneten, schwitzenden Athleten. Aber irgendwie stört dieser Gegensatz auch nicht.
Immer noch beflügelt von der guten Zeit läute ich zum letzten Mal die Glocke beim Lindwurm und laufe dem Ziel entgegen. Die letzten 10 km muss ich nun doch das Tempo drosseln und mich darauf konzentrieren, den Laufschritt beizubehalten. Was auch gelingt.
Von weitem höre ich bereits die Musik und den Speaker im Zielgelände und ich kann meine überquellenden Emotionen kaum noch zurückhalten. „Ich habe es gleich geschafft, der Tag wird alsbald zu Ende sein …… und ich werde meine Bestzeit realisieren. Wie ich den Tag begonnen habe, beende ich ihn auch wieder. Mit Tränen in den Augen und kein bisschen Müdigkeit laufe ich durch die Zuschauermasse auf den Zielbogen zu und spüre wieder einmal mit aller Kraft, dass einem wenige Sekunden alles Vergangene und Mühselige vergessen lassen und dafür Erinnerungen und Gefühle in einem verankern, die man für immer mitnehmen wird.
Mit 09:50:22 laufe ich ins Ziel und gratuliere allen Athleten um mich herum. Mit einem Marathon von 03:37 bin ich letztlich auch sehr zufrieden. Erst jetzt spüre ich meine Blasen an den Fusssohlen und die Quadrizeps scheinen auch streiken zu wollen. Egal, das war’s wert. Klagenfurt war ein riesiges Erlebnis und ich bin dankbar dafür, dass es so gut geklappt hat. Bereits in den nächsten Tagen werde ich mit meiner Partnerin den Event für nächstes Jahr planen.